Deshalb fördert die Digitalisierung die Innovationskraft von Unternehmen

Unternehmen mit einer hohen digitalen Reife beweisen eine bessere finanzielle Leistungsfähigkeit als weniger digitalisierte – so das Ergebnis einer Analyse aus dem Hause Deloitte. Der Grund dafür: Stark digitalisierte Unternehmen verstehen es, neue Erlösquellen zu erschließen, indem sie digital aktivierte Geschäftsmodelle in ihr Angebot aufnehmen.

Das Controlling nimmt bei diesem Gedanken eine Schlüsselrolle ein. In der digitalisierten, agilen Welt tasten sich Unternehmen schrittweise an strategische und weitreichende Entscheidungen heran: Sie versuchen Neues in einem kleinen überschaubaren Rahmen, testen und bewerten es. Das Controlling liefert die notwendigen Daten, um die Tests sinnvoll einzuordnen und die nächsten Schritte festzulegen. Doch dazu brauchen die Mitarbeiter freie Kapazitäten.

Gestaltungsräume schaffen

Vielfach stecken Mitarbeiter jedoch in Routine-Tätigkeiten fest. Unternehmen bringen sich jeden Tag um Chancen, wenn sie dies zulassen. Dies gilt auch für Finanz- und Controlling-Mitarbeiter, wie die Deloitte-Analyse eindrucksvoll belegt: Unternehmen, die KI in ihren Finanzberichtssystemen einsetzen, können ihre Produktivität um 33 Prozent steigern und Fehler um 37 Prozent reduzieren. Die für den monatlichen Finanzabschluss benötigte Zeit können sie um vier Tage verkürzen.

Was sich digitalisieren lässt, sollte digitalisiert werden, betonen deshalb zum Beispiel David Davidson und Aneel Delawalla von Accenture in ihrem Aufsatz: „Finance During the Crisis: Five Lessons from CFOs“: Unternehmen mit einem hohen Digitalisierungsgrad erholen sich schneller und nutzen ihre Chance, schreiben sie. Zudem konzentrieren sie sich auf die Dinge, die in der agilen, volatilen, digitalen und globalen Welt zählen, wie etwa starke Netzwerke bilden, Austausch und Beziehungen. Unternehmen mit einem digital offenen Mindset wissen: Der Austausch ist der Nährboden für neue Ideen und Innovationen.

Was ändert sich, wenn sich Unternehmen aktiv der Digitalisierung öffnen und ihre Chancen suchen?

Die Chance der Digitalisierung: Altes verbessern, Chancen erschließen

Stark digitalisierte Unternehmen realisieren häufiger überlegene, zeitgemäße Geschäftsmodelle, sagt die eingangs erwähnte Deloitte-Analyse. Wo der digitale Reifegrad gering ist, laufen Unternehmen Gefahr, Wachstum und Innovation zu verpassen. Für digital aktivierte Geschäftsmodelle fehlt der Blick.

Als Beispiel führen die Autoren einen multinationalen Hersteller an, der auf dem Aftermarkt tätig ist. Er steigerte seine Einnahmen aus Dienstleistungen und Ersatzteilen erheblich. Dazu führte er digitale Dienstleistungen ein wie die Überwachung von Anlagen und die vorausschauende Wartung seiner Produkte – basierend auf der Grundlage gesammelter Daten.

Mit seinem Angebot erschloss sich das Unternehmen eine wiederkehrende Einnahmequelle. In den kommenden Jahren will es sie ausbauen, um sich vor extern ausgelösten Wirtschaftsschwankungen zu schützen. Bei der digitalen Transformation geht es also darum, alte Dinge besser, schneller und billiger zu machen und zugleich neue Dinge zu tun, die vorher nicht möglich waren.

Digitalisierte Unternehmen denken weiter

Eine hohe digitale Reife scheint mit einer generell innovationsfreundlichen Grundhaltung zu korrespondieren. Eine Frage, die im Rahmen der Deloitte-Analyse an Unternehmen gestellt wurde, legt dies nahe: Wie schätzen die Unternehmen die Vorteile einer Digitalisierung ein? Die Antworten unterschieden sich abhängig vom digitalen Reifegrad der Unternehmen:

Unternehmen mit niedrigem Reifegrad betonten die geringeren Kosten bei der Einführung neuer Produkte und Dienstleistungen oder das Absenken der Akquisekosten bei der Neukundengewinnung. Unternehmen mit hohem digitalen Reifegrad fokussierten auf den Umsatz mit neuen Produkten und Dienstleistungen oder die Steigerung des Lebenswerts eines Kunden. Unternehmen mit einem hohen digitalen Reifegrad gaben in der Analyse mit einer deutlich höheren Wahrscheinlichkeit an, digitale Geschäftsmodelle zu realisieren: Während 58 Prozent der Befragten aus Unternehmen mit höherem Reifegrad angaben, dass sie digital verbundene Produkte anbieten, sagten nur 33 Prozent aus Unternehmen mit mittlerem Reifegrad und 17 Prozent aus Unternehmen mit niedrigerem Reifegrad dasselbe.

Digitalisierung – Kostensenkung – Effizienzsteigerung: Der Dreiklang ist schlüssig und klingt vertraut. Kosten zu senken, ist eine gute Sache, sagen die drei Autoren. Das Potenzial der Digitalisierung reicht jedoch weiter. Es liegt darin, die Geschäftsentwicklung zu fördern und neue Geschäftsfelder zu erschließen – und letztlich die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens zu sichern.

Gesellschaftlichen Erwartungen gerecht werden

Die Autoren der Deloitte-Analyse schlagen einen noch viel weitere Bogen: In der Gegenwart sehen es viele Menschen als dringend notwendig an, unser wirtschaftliches Handeln neu zu justieren. Sogar aus den Reihen von Wirtschaftsführern sind in den letzten Jahren Forderungen laut geworden, den Aufgabenbereich von Unternehmen auszuweiten. Statt sich alleine um die Renditen der Investoren zu kümmern, verpflichten sich Unternehmen mehr und mehr, sich mit sozioökonomischen Herausforderungen auseinanderzusetzen.

Im Jahr 2019 etwas unterzeichneten 181 US-CEOs eine Erklärung am Runden Tisch der Wirtschaft, in der sie sich verpflichteten, einem erweiterten Kreis von Stakeholdern Nutzen zu stiften – einschließlich Kunden, Mitarbeitern und den Gemeinden, in denen sie tätig sind. Zudem verpflichteten sich im selben Jahr 87 multinationale Unternehmen, Umweltziele im Einklang mit den Pariser Klimavereinbarungen zu erfüllen.

Digitale Technologien können dazu beitragen, diese neuen Prioritäten anzugehen. Eine kürzlich durchgeführte Analyse untersuchte 20 Ziele im Zusammenhang mit den UN-Zielen für nachhaltige Entwicklung. Sie stellte fest, dass der erwartete weltweite Einsatz der bestehenden digitalen Technologien im Durchschnitt dazu beitragen wird, den Fortschritt bei Erreichen dieser Ziele um 22 Prozent zu beschleunigen und den Abwärtstrend um 23 Prozent zu reduzieren.

Am Ball bleiben – trotz Krise

Das Wort von der „Digitalen Transformation“ klingt in unseren Ohren reichlich abgenutzt. In den letzten Jahren haben wir es viel zu oft gehört. Doch die Transformation ist weit davon entfernt, eine Modeerscheinung zu sein. In unsicheren Zeiten wird sie wichtiger, nicht weniger wichtig.

Unternehmen, die sich ihr öffnen, ernten echte geschäftliche Vorteile: Sie sind in der Lage, innovative Experimente zu wagen, ohne sich zu verheben. Das Controlling liefert die Zahlen dazu.

Autorin: Kerstin Boll – Quivendo Trainermarketing

Quellen:

Ragu Gurumurthy, David Schatsky, Jonathan Camhi, Uncovering the connection between digital maturity and financial performance, Deloitte Insights, https://www2.deloitte.com/us/en/insights/topics/digital-transformation/digital-transformation-survey.html

David Davidson, Aneel Delawalla: „Finance During the Crisis: Five Lessons from CFOs“, bei: CFO, https://www.cfo.com/growth-strategies/2020/05/finance-during-the-crisis-five-lessons-from-cfos/

Dokumentenmanagement neu gedacht – Interview mit Andreas Blom, DMS-Experte bei der TSO-DATA GmbH
Menü